Darreichungsformen

In welchen Darreichungsformen gibt
es Fluorchinolone?

Fluorchinolone sind nicht nur als Tabletten erhältlich, sondern in verschiedenen lokalen und systemischen Darreichungsformen
Collection of medical supplies including an asthma inhaler, IV drip bag, pills, and nasal spray.
Collection of medical supplies including an asthma inhaler, IV drip bag, pills, and nasal spray.

Lokale und systemische Anwendung

Fluorchinolone können auf unterschiedliche Weise angewendet werden.
Manche Präparate wirken systemisch, das heißt: Der Wirkstoff gelangt in den Blutkreislauf und kann den ganzen Körper betreffen. Andere Präparate werden dagegen lokal angewendet.

  • Wirkstoff gelangt in den Blutkreislauf

  • kann den ganzen Körper betreffen

  • Beispiele: Tabletten, Infusionen, Suspensionen / Säfte, bestimmte inhalative Anwendungen

Systemische Anwendungen

1. Tabletten

Die Einnahme als Tablette ist eine der häufigsten und bekanntesten Anwendungsformen, da sie ambulant stark verbreitet und leicht anzuwenden ist.

2. Orale Suspension / „Saft“

Einige Wirkstoffe gibt es auch als flüssige Zubereitung zum Einnehmen, zum Beispiel wenn Tabletten nicht geeignet sind oder eine angepasste Dosierung nötig ist.

3. Infusionen

Bei schweren Infektionen oder im Krankenhaus können Fluorchinolone auch intravenös verabreicht werden.

4. Inhalation

Bestimmte Präparate können über die Atemwege angewendet werden; auch diese Form wird in behördlichen Warnhinweisen mitberücksichtigt.

  • Anwendung direkt am Auge, Ohr, auf Haut oder Schleimhäuten

  • Beispiele: Augen- und Ohrentropfen, Salben, Cremes, andere äußerliche Zubereitungen

  • auch lokal angewendete Wirkstoffe können in den Körper aufgenommen werden

    • Studien belegen eine systemische Aufnahme, aber die gemessenen Blutkonzentrationen (bspw. Ofloxacin oder Ciprofloxacin) waren deutlich niedriger als nach Tabletteneinnahme

Lokale Anwendungen

1. Tropfen für Auge und Ohr

Fluorchinolone werden auch lokal als Augen- oder Ohrentropfen eingesetzt, zum Beispiel zur Behandlung bestimmter bakterieller Infektionen am Auge oder im Gehörgang.

2. Salben / Cremes

Lokal angewendete Präparate gibt es vor allem im Augenbereich, zum Beispiel als Augensalbe aber auch in Form von Hautcremes.

Zusatzinformation

Restspuren in Medizinprodukten / Impfstoffen

Neben eigentlichen Arzneiformen können Fluorchinolone in Einzelfällen auch als Restspuren in anderen medizinischen Produkten oder Impfungen erwähnt werden. Ein Beispiel ist Ciprofloxacin als Restspur im Pocken-/Mpox-Impfstoff.

Exkurs: Die unterschätzte systemische Wirkung lokaler Präparate

Auch lokal angewendete Fluorchinolone können in den Blutkreislauf gelangen und dadurch Nebenwirkungen außerhalb des eigentlichen Anwendungsortes auslösen. Darauf weisen sowohl Berichte von Betroffenen als auch behördliche Arzneimittelinformationen hin.

Die Mehrzahl der heute verfügbaren antibiotischen Ohrpräparate enthält Fluorchinolone. Auch bei antibiotischen Augenpräparaten werden Fluorchinolone häufig eingesetzt.

Behördliche Einordnungen

Der Sicherheitsausschuss PRAC – kurz für „Pharmacovigilance Risk Assessment Committee“ – ist der offizielle EU-Ausschuss der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) für die Bewertung der Sicherheit von Arzneimitteln.

Der PRAC stuft diese schwerwiegenden Nebenwirkungen als Klasseneffekt ein. Das bedeutet, dass das Risiko nicht nur bei einem einzelnen Medikament besteht, sondern die gesamte Gruppe verwandter Wirkstoffe betrifft, da diese ähnlich aufgebaut sind und vergleichbare Wirkmechanismen besitzen.

In einigen Gebrauchsinformationen von lokal wirkenden Fluorchinolon-Produkten (z. B. Augentropfen, Augensalbe) finden sich Hinweise auf Nebenwirkungen von systemisch angewendeten Fluorchinolone bspw. dass diese unter anderem Sehnenprobleme oder Behinderungen hervorrufen können.

Auch Swissmedic weist bei mehreren fluorchinolonhaltigen Augenpräparaten ausdrücklich darauf hin, dass die enthaltenen Wirkstoffe systemisch aufgenommen werden können. Nebenwirkungen können daher nicht nur am Auge, sondern auch an anderen Körperstellen auftreten.

Die behördlichen Warnungen in Deutschland und im Europäischen Wirtschaftsraum beziehen sich bislang nur auf systemisch und inhalativ angewendete Fluorchinolone. Bei lokal angewendeten Präparaten wird dagegen häufig gesagt, sie würden nur dort wirken, wo sie aufgetragen werden – also zum Beispiel am Auge oder im Ohr.

Die Darstellung greift, unserer Auffassung nach, jedoch zu kurz. Auch lokal angewendete Wirkstoffe können in den Körper aufgenommen werden, wenn auch meist in geringerer Menge. Betroffene berichten immer wieder von denselben schweren Nebenwirkungen nach der Behandlung mit fluorchinolonhaltigen Augen- oder Ohrenpräparaten wie bei systemischen Präparaten.

In der Zusammenfassung der öffentlichen Anhörung vor der EMA wird von Patient*innen berichtet, die nach der Anwendung von Chinolon- und Fluorchinolon-Antibiotika unter lebensverändernden, teils jahrelang anhaltenden Schmerzen und Schädigungen litten. Besonders hervorzuheben ist, dass solche Nebenwirkungen nicht nur nach einer Einnahme als Tablette oder einer Injektion beschrieben wurden, sondern auch nach der lokalen Anwendung in Form von Augen- oder Ohrentropfen.

In ihren Warnhinweisen stellt die EMA gegenüber Patient*innen weiter ausdrücklich klar:
„Sie sollten ein Fluorchinolon-Arzneimittel nicht einnehmen, wenn bei Ihnen jemals eine schwerwiegende Nebenwirkung eines Fluorchinolon- oder Chinolon-Arzneimittels aufgetreten ist.“

Hinweis

Ob der Einsatz eines Fluorchinolons aufgrund der gestellten Diagnose im individuellen Fall gerechtfertigt ist, sollte gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt sorgfältig abgewogen werden.
Dabei sollten auch mögliche Behandlungsalternativen berücksichtigt und gegeneinander abgewogen werden.
Idealerweise erfolgt zuvor ein Antibiogramm– ein Labortest, der zeigt, welche Antibiotika gegen den nachgewiesenen bakteriellen Erreger wirksam sind. Vor der Behandlung muss zudem eine umfassende Aufklärung gemäß § 630e BGB erfolgen, die auch die möglichen Risiken und schwerwiegenden Nebenwirkungen umfasst.
Kontakt

Hast du Fragen, fehlt dir etwas, hast du Fehler gefunden oder möchtest du einfach ein paar nette Worte da lassen?

info [at] fqad-deutschland.de

© 2026 FQAD Initiative Deutschland | All rights reserved.

Aufklärung. Forschung. Anerkennung. Unterstützung.
Schnellzugriff